Malteser-Huldigung

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Gibt es eine schönere Huldigung an die Malteser als die folgenden Zeilen? Der Text stammt von den Seiten von Benji’s Memorioal. Herzlichen Dank an Familie Vanek-Jaeger für die freundliche Genehmigung, den Text hier zu veröffentlichen.

Wo habe ich das gelesen? Bei Martial, dem altrömischen Satiriker?

Issa, die heiterer als Catuls Sperling,
die reiner als ein Kuss von Täubchen,
die sanfter ist als jedes Mädchen,
sie ist doch wertvoller als jeder Ring …

Spotte nur, du Dichter, über den Gouverneur, dessen Liebe zu einem Maltesermädchen grenzenlos schien, auch über mich hättest du deine spitze Feder (oder womit du damals geschrieben hast) gebrauchen können!

Ja, in die weisse Pracht Vernarrte gibt es heute genauso wie vor zwei Tausend Jahren und es wird sie solange geben, wie es die Malteser gibt.

Was soll’s, denkt jetzt vielleicht der eine oder der andere, ein Hund ist doch ein Hund und jeder Wauwau, den der Züchter oder der Besitzer nicht verdorben hat, kann dein Freund, dein Begleiter, deine Freude und dein Trost sein. Was also soll das ganze Gerede?

Einverstanden, aber für mich ist der Malteser doch etwas mehr.

Lacht nur über mich, ihr Spötter, zuckt Eure Schultern, rümpft eure Nase über mich – ja, ich bin verliebt, wie der Gouverneur damals und so viele andere nach ihm.

Ja, ich bin in die Malteser verliebt.

Ich komme nach Hause, sie begrüssen mich stürmisch.
Ich will Ruhe haben, sie legen sich zu mir.
Ich will an die frische Luft, sie wollen mitkommen.
Ich will im Garten etwas machen, sie kommen mit und passen auf mich auf.
Ich bin krank und sie legen sich zu mir, wärmen mich und ziehen die Erreger aus meinem Körper heraus.

Ja, Sie lesen es richtig. Es ist eine uralte Zigeunerweisheit, die ich zuerst in England hörte und dann von einer Jenischen bestätigt bekam, dass kein Hund es so wie der Malteser versteht, die geheimnisvolle Naturkräfte zur Heilung des ihm anvertrauten Menschen einzusetzen. Erklären Sie mich für verrückt, aber ich glaube tatsächlich, dass es Dinge zwischen dem Himmel und der Erde gibt, worüber die Schulmedizin keine Ahnung hat. Auch deshalb bin ich in die Malteser verliebt. Aber nicht nur deswegen.

Fahren Sie mal mit der Hand durch das Malteserhaar: weich und geschmeidig, wie eine Feder, solange der Hund noch ein Welpe ist, aber bald wird es zur Seide mit einer dichten Fülle, die man zwar täglich bürsten und kämmen muss (sonst wird die Seide zum Filz und die Pracht zur Plage), deren weisser Glanz nicht nur im Sonnenschein eine aristokratische Würde verrät. Ein richtiges Malteserhaar braucht keine Seife und keine Chemie, nur Kämmen, um ein allfälliges Naturdreck wegzubringen (solange man Autoöl nicht für ein Naturprodukt hält).

Einverstanden, sein Haar braucht tägliche Pflege, es schützt ihn aber genauso vor der Hitze eines italienischen Sommers wie vom morgendlichen Frost beim Winterurlaub in den Bergen. Ein Mäntelchen? Aber nein, nicht doch bei einem Malteser, sei es, Sie hätten Angst, ihn im Schnee nicht mehr sehen zu können …

Ja, der Malteser ist weiss. So wie man sich die Engel vorstellt, in weiche Formen gekleidet und doch mit einer klaren Kontur. Nur die Flügel hat er nicht, dafür die Rute. So lautlos, stelle ich mir vor, so lautlos und doch kräftig müsste doch ein Cherub seine Tragflächen bewegen, um dem Gottesplan Folge zu leisten, wie ein Malteser im Freudentaumel mit seinem Schwanz wedelt.

Seine Bewegungen sind elegant. Schauen Sie mal von der Seite, wie er läuft: als ob er auf einem Rollbrett stehen würde. Die Beine, hinter seinen langen Haaren verdeckt, scheinen sich gar nicht zu bewegen, so kurz und schnell schwingen sie, und sein Oberkörper bleibt ruhig, sein gerader Rücken gleitet wie einer unsichtbaren Schiene folgend durch die Gegend.

Dabei ist der Malteser kräftig. Natürlich kann er keine Berge versetzen, dafür haben doch seine Leute Maschinen, aber seine Beine lassen ihn, der nur um die 22 – 23 cm hoch ist, problemlos auf einen 60 – 80 cm hohen Stuhl oder Tisch springen (womit ich nicht einen Rüden meine, der eine hochläufige Hündin ahnt und deswegen keine Barriere kennt). Gehen Sie in die Bergen mit ihm, wandern Sie 30 km über eine Höhendifferenz von mehr als 2000 m und wenn Sie sich dann zum Ausruhen niedersetzen, dann kommt er richtig in Schwung und rennt in Kreisen um Sie herum, obwohl er vorher jedes Stück der Wanderstrecke mindestens dreimal absolviert hat. Spätestens dann fragen Sie sich, woher ein Körper von etwa 3 kg so viel Energie nimmt.

Und trotzdem, der Malteser ist sanft. Nehmen Sie nach einem strengen Tag die Zeitung oder ein Buch in die Hand, machen Sie sich es im Sessel bequem und er wird kommen, seine Schnauze Ihnen auf den Fuss legen, leicht seufzen und einschlafen. Sie spüren keinen Druck und kein Gewicht, nur die Wärme und seine Zuneigung.

Natürlich hat er auch Zähne, gesund, scharf und ein perfektes Scherengebiss bildend. Ist er noch jung, ist kein Schuh vor ihm sicher und auch an Knochen zeigt er gerne, was er kann, aber richtig setzt er sie nur zur Verteidigung an und glaubt mir, einem Angreifer den Finger durchzubeissen kann er jederzeit. Sie und Ihre Finger wird er aber immer nur vorsichtig ins Maul nehmen, den Zähnedruck nur andeuten.

Übers Maul hat ihm die Natur eine pechschwarze Nase aufgesetzt. Vielleicht ist sie nicht so wie bei einem Spürhund ausgebildet, doch kann sie ihm Vieles berichten. Als ob er Zeitungen lesen würde, steckt er sie überall hinein. Im Winter, da bohrt er mit ihr im Schnee herum, um geheime Botschaften zu entziffern, in der Frühlingsbrise hebt er sie hoch, um von weitem Nachrichten zu empfangen, im nassen Herbstlaub verfolgt er die Geschichte und unter der Türschwelle schmeckt er die Vorfreude.

Die Ohren sind durch die langen Haare nach unten gezogen, aber sie hören trotzdem ausgezeichnet. Kein Geräusch im Haus entgeht ihm, kein ach so geschickter Einbrecher könnte die Räume unbemerkt betreten, sofort bellt der Malteser. Sein Herz ist gross und mutig, und doch will er zuerst warnen, den Angreifer genauso wie seine Leute, weil er den Frieden dem Kampf vorzieht.

Und dann die Augen: gross, rund und schwarz. Augen, die reden können. Bitten ausdrücken, Freude markieren oder einfach sagen, wir beide sind eins. Weil ein Malteser kein Jäger und kein Kampfhund, sondern ein Familienmitglied ist, welches die Seinen hütet und sich kein Leben ohne sie vorstellen will. Er liebt sie alle, die Frauen, ja, aber ebenso die Männer und die Kinder, solange sie zu seinem Clan gehören.

Natürlich sagt man ihm nach, er wäre ein Frauenhund, schliesslich ist er so zum verlieben. Auch gehört er zur ersten und ältesten Hunderasse, welche nicht zur Arbeit, sondern einfach zum Vergnügen von unseren Urahnen gehalten wurde. Aber ich bin in den Malteser verliebt und ich bin durchaus ein Mann.

Sein Dasein ist ein Geben, ein Dienen ohne Wenn und Aber. Dabei lebt er länger als manche andere Hunderasse, 16 bis 18 Jahre ist keine Seltenheit. Es plagen ihm kaum Erbdefekte und Debatten über Kupierverbote und Qualzuchtartikel gehen an ihm vorbei.

Und doch, auch der Malteser ist nur ein Hund, aber was für einen! Wie hat es der Martial gesagt? Noch zufügen sollte er über das Maltesermädchen:

und wachsamer als ein Sensor,
gern kommt sie auf den Schoss empor,
auch ist zu einer Wanderung bereit,
nur ganz allein, das will sie niemals sein!
© 2009 Copyright Vladimir.Vanek-Jaeger,CH-5615 Fahrwangen

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